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Sonntag, 2. Januar 2011

Exkurs: How To Conquer Korea... III

Frohe Weihnachten Deutschland! Ich wünsche ein schönes Fest gehabt zu haben, falls man sich nicht rechtzeitig gesprochen hat. Hoffentlich waren es einige entspannte Tage mit Freunden und Familie und dem Winter konnte einiges abgewonnen werden. Mir wird es hier ja nur telekommunikativ zugetragen aber die Klimaerwärmung wirkt sich wohl überall anders aus.

Ich vermag zu berichten, dass ich Weihnachten strahlend in Hiroshima verbracht habe. Am 24ten ging es zum Friedenspark, Peace-Mueseum, Hypocentrum und zum neu aufgebauten Hiroshima Castle. Damit ist grundsätzlich Hiroshima beschrieben. Mehr Sehenswertes gibt es dort nicht. Man sollte es aber einmal besucht haben, es ist beeindruckend und gruselig zu gleich, wenn man weiß dass man durch einen Park läuft über dem eine Atombombe explodiert ist.
Heiligabend wurde mit Okonomiyaki im Restaurant gefeiert. Da die werten Amis nen Tag später feiern wurde auch der 1. Weihnachtstag entsprechend gewürdigt. Kentucky Fried Christmas! Selten habe ich mich so übersättigt gefühlt - wohl ähnlich wie sich die etwa 3 Hühnchen gefühlt haben bevor sie geschlachtet und mir zu Weihnachten gebracht wurden.

Aber eigentlich wollte ich letzte Eindrücke von Korea an den Mann bringen:

In Seoul haben wir so ziemlich jeden Flecken Erde besucht. Imperial Palast, alle drei davon, die Geburtsstätte des Christentums in Korea, Straßenmärkte, Universitäten, Nationalmuseum und Kriegsgedänkstätten. Insgesamt bietet einem Seoul doch eine ganze Menge an Sehenswürdigkeiten. Das meiste kann man sich kostenlos ansehen oder hin und wieder mal für 1000 bis 1500 Won, dann jedoch mit englischsprachiger Tour. Verglichen mit Japan würde ich die kulturellen Stätten jedoch als schlicht beschreiben. Vor allem weil der Inneneinrichter immer zu einem schlichten, blassen, rot gegriffen hat und der Malermeister es mit Zeitdruck zu tun bekam und von daher auch eher schnell und einfach gearbeitet hat.
Ein paar wirklich eindrucksvolle Stätten gibt es aber schon, so der Imperial Palace Changgyeonggung. Zwei weitere Highlights waren das Kriegsdenkmal und das National Museum of South Korea. Das Denkmal beschreibt vornehmlich die Geschehnisse seit dem Korea-Konflikt, lässt auf seinen Tafeln für gefallene Soldaten aber leider noch sehr viel Platz, für geschätzte 60.000 weitere Namen. Auf dem Gelände lassen sich Kriegsmaschinerie und und Mahnmale besichtigen. Das Nationalmuseum ist seit einigen Jahren in Betrieb, eines der größten und meist besuchten Museen weltweit, umsonst (inkl. Führungen und Broschüren auf deutsch) und für jeden, der Interesse an Geschichte, hat die Anreise wert. Im Vergleich zu deutschen Museen sind nur etwa 30% der Stellfläche belegt, aber geben die Geschichte Koreas sehr detailliert und interessiert wieder. So weiß ich nun auch, dass der Buchdruck in Korea seinen Ursprung hat und dass die Koreaner zur Verteidigung gerne auf Holzpalisaden zurück gegriffen haben - in Zusammenhang steht wohl die Tatsache, dass Korea im Laufe seiner Geschichte mehrmals kolonisiert wurde. (Fotos Online)

Mir scheint dass seit dem Korea-Krieg eine weitere Kolonialisierungsrunde begonnen hat. Ganz weit vorne sind unsere schiesswütigen Freunde aus Amerika, danach Deutschland. Seoul wimmelt von westlichen Labeln. Starbucks, McDonald, KFC, Dunkin Doughnuts, Baskin Robins, H&M, Adidas, Levis, Nike, Puma ..... damit kann man ewig weiter machen. Es gibt mehr ausländische als koreanische Geschäfte scheint es. Der überwältigenden Won vermag es, wie im BigMac Index beschrieben zwar die Kosten für eben diesen niedrig zu halten und der Lieferservice ist schon sehr geil, aber alle anderen Label haben zumindest deutsche, manchmal sogar deutlich höhere Preise.

Der Einfluss Deutschlands ist in den vielen Bars und Kneipen am besten zu erkennen. Nahezu jeder Laden biete deutsches Bier an! Der Wahnsinn, nach 3 Monaten mal wieder ein kaltes Krombacher zu sich zu nehmen ist schon sehr nett. Auch deutsche Gerichte standen auf der Speisekarte. Wenn man jedoch deutsche Größen ordert wird man doch deutlich verwirrt angeschaut. Zwar stehen Pitscher mit 1,5 Litern köstlichstem Weizensaft auf der Karte, dennoch wurde von vier verschiedenen Personen die Bestellung wieder und wieder bestätigt. Im besten Englisch versteht sich. Was einem persönlich jedoch sehr angenehm ist aber doch komisch anmutet, wo man sich doch im Land der Word-Art Schriftzeichen befindet. Als wir die "Bierhalle" zum zweiten Mal besuchten und zum Pre-Game missbrauchten und sechs Liter für 2-3 Personen in 45 Minuten orderten schlenderten die Bedienknappen alle paar Minuten am Tisch vorbei und überprüften unseren äußeren Eindruck wie mir schien.

Sightseeing Nachttour 2 geht garnicht. In meinem langen und von unendlichen Erfahrungen geprägten Leben habe ich hunderte, wenn nicht tausende Bustouren mit gemacht. Die in Seoul war einfach nur unverschämt. Seoul hat nunmal einige Attraktionen im Stadtzentrum, warum diese auf einer Bustour - die einem gerade diese näher bringen soll - gemieden werden ist mir ein Rätsel. Davon hat uns die Tour zu 10 großen Brücken mitten in Seoul geführt und erläutert warum die Architektur der einen Brücke Freundschaft und Frieden verkörpert und die nächste Liebe und Standhaftigkeit. The fuck!

Anders ging es da schon in der DMZ (De Militarized Zone) ab. Die DMZ beschreibt einen 2 Kilometer breiten Streifen nördliche und südlich der Grenze zwischen Kommunismus und Kapitalismus. Die DMZ liegt in einer weiteren, jeweils 5 km breiten Sicherheitszone. In diese erweiterte Zone darf man nur mit Erlaubnis, egal welche Nationalität man besitzt. In die DMZ darf man nur nach Voranmeldung und nur wenn man einer der ausgewählten Nationen angehört. Man wird beim Eintritt in die Zone kontrolliert, muss sich ausweisen, angemessen gekleidet sein und den Grenzsoldaten besser nicht beleidigen. In der DMZ kann man unter anderem vier Angriffstunnel der Nordies besichtigen. Der größte liegt knapp 55 km vor Seoul und wäre in der Lage gewesen über 10000 Soldaten pro Stunde hinter die Verteidigungsanlagen und vor die Tore von Seoul zu bringen. Dabei muss eine besondere Betonung auf die "Nordkoreaner" gelegt werden, dann der Tunnel ist in etwa 1,60 Meter hoch und von Durchschnittswestlern nur in der Hocke wirklich passierbar. Grundsätzlich ist die Entdeckung der Tunnel Glück gewesen. Desweiteren gibt es einen Bahnhof, der irgendwann einmal wieder zwischen Nord und Süd Bahnen fahren soll, außerdem noch die Joint Militarized Zone. Mitten auf der Grenze teilen sich Nordies und Südies ein Militärcamp, das als einzige direkte diplomatische Verbindung zwischen Nord und Süd fungiert. In einem der Geböude kann man nen paar Meter in den Norden machen. Die Soldaten in der Joint Militarized Zone sind allesamt aus der Garde und eher nervös. Verständlich wenn man bedenkt, dass die Nordies vor einigen Jahren zwei UN Soldaten mit Äxten nieder gemacht haben, nur weil die einen Baum in dieser Zone fällen wollten.
Des weiteren gibt es in der DMZ zwei Dörfer, eines das dem Süden nach dem letzten Waffenstillstand zugesprochen wurde und eines, das von Nord-Korea gebaut wurde, um auch ein Dorf in der DMZ zu haben. Letzteres steht und stand aber immer leer, da die Nordies bevorzugt Minen in der DMZ verbuddeln. Beide Dörfer wurde mit einem gewaltigen Flaggenmast ausgerüstet. Der Nord-Koreanische ist 160 Meter hoch und die montierte Flagge so groß, dass es nen mittleren Sturm braucht um die zu entfalten. Der Süden hat, abgesehen von den Militärstellungen und eben dem Dorf, das ganze Gelände zum Naturschutzgebiet erklärt.

Als wir nun also in dieser netten DMZ waren (23.November 2010) fingen die Nordies zuletzt mal wieder an herum zu ballern. Die Anspannung dadurch war überall zu spüren. Die Straßen Seouls waren teilweise alle 50 Meter mit Polizisten und Militärs besetzt. Besonders nahe der Regierungsgebäude war die Szenerie mit Sicherheitskräften gespickt. Die Botschaft der USA war zudem mit gepanzerten Wagen abgeschirmt. Auf Nachfrage was die Jungs denn so gut schützen würden fühlte sich zumindest ein recht junger Polizist sehr unwohl. Er entschloss sich mehr und mehr zurück zu weichen und stand schon fast auf der Straße als wir den Jungen haben laufen lassen. Jaja, wir sind schon sehr dominant mit Korea umgesprungen. :)

Letztlich ist das alles was ich über Korea berichten sollte. Es war ein sehr interessanter Trip. Wenn ich nochmal wieder kommen sollte werde ich mich stärker aufs Umland konzentrieren. Seoul gefällt mir, auch wenn der Gestank ziemlich nervtötend sein kann.
Momentan sitze ich in Kyoto im Hostel und bereite mich schon langsam auf die Weiterreise nach Shizuoka vor. Dort werde ich mit 3 Freunden in einer japanischen Familie hausen. Ich hoffe ihr hattet schöne, spannende und entspannende Weihnachtstage.

Einen guten Rutsch ins neue Jahr wünsche ich ebenfalls gehabt zu haben, falls man sich nicht mehr vorher gesprochen habt. Danke auch für die Rückmeldungen, e-Mails und Anrufe. Es freut mich immer sehr - werde versuchen mich schneller zurück zu melden, falls man mich nicht erreicht.

Beste Grüße, D

Donnerstag, 16. Dezember 2010

Exkurs: How To Conquer Korea... II

こんにちは。Oder für eure Zeitzone おはようございます。

Grüße aus dem Land der aufgehenden Sonne. Schon drei Wochen ist es her seit ich aus Korea zurück bin. Nun endlich finde ich die Zeit euch was zu berichten.
Naja, wie drückt man seine Eindrücke über ein gesamtes Land in einen Bericht?! Lets see ...

Aufgrund des engen Zeitplanes und der Ungewissheit ob Korea innerhalb einer Woche zu gewinnen sei habe ich mir zwei Deutsche und einen Japaner/Amerikaner, je nach politischer Lage und Weltanschauung für diskutierte Themen, mitgenommen. Als wir in Seoul mit der Maschine der JAL runter gingen war es bedeutend kälter als in Japan (was noch nicht auf die politische Situation zurück zu führen war). Noch am Flughafen wurde Geld getauscht 1€ ~ 1500 Won. Da schwimmste in Kohle ohne Ende. Gemäß BigMac Index liegt Korea im Preisverhältnis ungefähr auf Höhe Deutschlands und ist damit knapp 50% günstiger als Japan - für ausgewählte Produkte. Am Flughafen gab es also erst einmal ein Monster-Eis für geschätzte 60 Cent. Für manche Produkte ist Korea halt auch deutlich günstiger.

Die Airport-Limousine (Bus) hat uns dann in 65 Minuten zum Hostel gekarrt. Die Bushaltestellte der "SungKyunKwan"-Universität sollte gegenüber eines Dunkin Donuts sein und dadurch einfach zu identifizieren. Einen besonderen Dank an diese Art der Wegbeschreibung! Seoul ist wohl der amerikanisierteste Flecken Erde außerhalb Amerikas, oder wer weiss vielleicht sogar stärker voll gestopft mit Klischee amerikanischen Geschäften als Amerika selbst. Entlang der Route lagen insgesamt 6 Dunkin Donuts gegenüber der Bushaltestellen, davon waren 4 Haltestellen auch noch einer Universität zugeordnet. Da die Schriftsprache stark an crazy Word-Arts erinnert und sich das Gesprochene nur schwer auseinander halten lässt, war es eher Zufall das wir den Weg gefunden haben.

Seoul: Stinkt! Nicht im übertragenen Sinne sondern im wahrsten Sinne des Wortes. Die Stadt verströhmt in den meisten Gegenden den angenehmen Duft der Kanalisation. Unser Zimmer war da alles andere als die Ausnahme.

Süd-Korea: Is a developing country. Scheren wir das gesehene über einen Kamm lässt sich sagen: "Korea ist wie Japan vor zwanzig Jahren!" (Zitat des japanischen Teils unseres Japanisch/Amerikanischen Freundes Shoin). Nun war ich vor zwanzig Jahren nicht in Japan und würde mich wahrscheinlich auch nur an Bruchstücke erinnern, aber wenn ich mir Japan von vor zwanzig Jahren vorstellen sollte, wäre es wie Süd-Korea heutzutage. Ohne den Gestank!

Sprache: Koreanisch. Hält man es für möglich?! Die Sprache basiert auf den selben Wurzeln wie chinesisch oder japanisch (sagte man uns). Die Schriftzeichen, lustige Balken, Kreise, Vierecke etc. wurden mit Word eingeführt und werden durch wildes Nutzen der Alt und Strg Taste, an der lokalisierten QWERTY-Tastatur, bunt miteinander kombiniert. Tatsächlich wurde in Korea früher auf chinesische Kanji zurück gegriffen, später wurden diese jedoch von einem (angeblich) hoch gebildeten König ersetzt.
Englisch: Weit, sehr weit verbreitet. Wo man in Tokyo nicht einmal in seiner "International Christian University"- Bibliothek engschlisch sprachiges Personal findet, wird man in Seoul im kleinsten Laden auf englisch willkommen geheissen.

Tatsächliches Preisniveau: Verführerisch! Gerade wenn man aus Japan kommt und sich daran gewöhnt hat, dass nen Bier (Happoshu) im Laden 5 € kostet, wirkt Korea wie das Paradies auf Erden. In jeder Bar, jedem Lokal und jedem Restaurant bekommt man für ca. 3 € ein DEUTSCHES Bier. Einheimische Marken - sind nicht zu verachten - und kommen für etwa 2 € über die Ladentheke gerollt. Eine 45 Minuten lange Taxifahrt zum 5 Sterne Hotel, samt ansässigen Casino, kostet etwa 10 €. Das Casino ist dann etwas teurer. Mindesteinsatz waren etwa 2€, am Roulette-Tisch hinten rechts in der unscheinbaren Ecke. Im Durchschnitt würde ich den Mindesteinsatz auf 15€ beziffern, Texas Hold-Em war nur zu empfehlen wenn man sich für etwa 500€ einkaufen konnte. Essen und trinken war in dem Schuppen jedoch - solange man spielte - umsonst. Geordert wurde am Tisch, gegessen im Restaurant. Die 50.000 Won die ich ausgegeben habe, habe ich so was von routiniert wieder rein geholt.
HIGHLIGHT: Kugelfisch! in einer der Suppen - habe es erst im Nachhinein gemerkt, was mir etwas den Kick genommen hat. Werde den nochmal probieren müssen, denn wenn man es nicht weiß, schmeckt der Fisch elegant unauffällig. Das Problem mit den vermeintlich niedrigen Preisen ist dass man geneigt ist zu sagen "Ach, is ja jetzt nicht so teuer - gehen wir halt jeden Morgen und Abend ins Restaurant." Im Vergleich zu Japan richtig, das Konto holt einen dann aber flink wieder auf den Boden der Tatsachen zurück.

Endergebnis: I am a star, a fucking famous star. "Veni, vidi, vici" meine Damen und Herren. Der Drops ist gelutscht, das Spiel ist gelaufen, der letzte Takt gespielt! Überall deutsche Fahnen, Hymnen, Fans, Jubel und Getöse. Tatsächlich ist wirklich sehr viel "Deutschland" in Süd-Korea zu finden. Die Bevölkerung ist viel aufgeschlossener und offener gegenüber Fremden - längst nicht so schüchtern wie die Japaner. Mehrfach wurden wir willkürlich von Koreanern angesprochen und in Gespräche verwickelt. Dies mag daran liegen, dass einfach deutlich weniger "westliche" Touristen zu finden sind, als man 1 Woche nach dem G20 Summit erwarten würde. Die paar, die dann mit blonden Haaren herum laufen geraten da ganz schnell zur Attraktion. Insgesamt wurde ich auf 7 Fotos gezerrt und hatte mehrfach irgendwelche Teenies im Arm die mich unbedingt (der Fairness halt halber sei erwähnt dass es meinen beiden deutschen Freunden hier kaum anders erging) auf nem Foto mit sich verewigt haben wollten. Noch häufiger ist man jedoch "unbemerkt" auf Fotos gelandet. Bei willkürlichem herum drehen war nicht selten eine Kamera auf einen gerichtet.
Ich meine ich bin es ja gewohnt ;) - komisch war es aber schon. Den positiven Eindruck hat es aber nur verstärkt - also falls mit 30 alle Stricke reißen sollten findet ihr mich in Korea.

Ich schließe hiermit schon einmal den Exkurs als "erfolgreich". Tokyo und Korea unter meinem direkten Einfluss. Das Schloss auf dem letzten Bild habe ich mir übrigens herrichten lassen.
Werde übers Wochenende dann noch nen paar Zeilen zu
  • Tourie-Aktivitäten
  • Artilleriebeschuss
  • Einschüchterung von Sicherheitsbeamten
  • Brücken
  • 1,5 Liter Pitschern
  • Amerikanisierung - Westisierung
  • ...
schreiben.
Euch allen einen schönen 4ten Advent! Genießt die Fotos (rechts drauf klicken)

Beste Grüße,
D